Der Donnervogel - Das September-Velo

 

Ein Mountainbike wie ein Gewitter.

Seit ein paar Tagen lehnt es genügsam am Treppengeländer und sagt mir nichts. Kein Ton. Bis an diesem einen Tag, einem Sommersonntag, der endlich einmal Wolken trägt. Ein Tag ohne gleissend heisse Steine, weit weg vom Siedepunkt, ein Tag fürs Rad, um in den Wald zu stürmen, rauf auf den Gipfel, und runter in den Grund. Kraft dieser Vorstellung stürze ich mich in meine Veloklamotten, bewege es weg vom Treppengeländer und rein in den Lift. Wuchtig die Räder, ganz tief das Gewicht. Unten zirkle ich es durch den Türrahmen. Breite Lenker. Dann bin ich draussen.

Ich mustere es ein erstes Mal. Der Dämpfer ist im Rahmen integriert und bleibt unsichtbar. Elegant geformtes Carbon in Schwarz und Weiss. Ein Oberrohr mit ganz flacher Silhouette. Aufgeräumtes Cockpit mit integrierter Kabelführung. Sattelstütze und Federgabel schimmern goldig. Es hat Stil.

Ich schwinge mich auf den Sattel und greife zum Lenker. Es sitzt wie angegossen. Auf Asphalt brausen wir los. Dafür blockiere ich am Cockpit die Federwege. Schon beginnt mich die Lust zu kitzeln. Angewöhnungszeit? Null. Es fühlt sich alles ganz vertraut an. Stabiler Geradeauslauf, verspielter Charakter. Es reizt und neckt mich. Es will noch schneller sein. Und es will rauf auf den Berg. Mit einem leichten Tritt schnellt es schwer nach vorne. Wir schiessen mit sirrenden Reifen Richtung Dschungel.

Im Wald klettern wir hoch. Trockener Schotter, viel Grip am Hinterrad. Nur, wer dabei jetzt an einen Kraftakt denkt, liegt falsch. Das Klettern fühlt sich mit ihm so leicht an, dass man ganz aufgekratzt beschleunigt. Auf der Suche nach neuen Limiten erobert man schwieriges Terrain mit hochprozentigen Steigungen. Die Gangschaltung bietet ausreichende Reserven. Es lässt mich nicht im Stich. Das alles fühlt sich irgendwie gewaltig an.

Auf dem Gipfel kann ich mir ein stilles Grinsen nicht verkneifen. So lustvoll kann Kraxeln sein. Mich flutet ein Stück Glück. Mit einem Schalterdruck stelle ich gleichzeitig den Federweg der Teleskopstütze und die Dämpfung des Fahrwerks auf mittlere Stufe, um den Wald zu erkunden. Mal auf schmalen Trails. Mal auf breiten Waldwegen. Statt dass ich es ans Limit bringe, erweitert es meine Grenzen. Das habe ich auch schon mal bitter bezahlt, überstehe heute aber alles schadlos. Wild gewittern wir Rauf und Runter.

Das Runterzischen ist erleuchtend. Die sperrigen 29 Zoll Räder und der breite Lenker mutieren mit dem Fahrwerk zu einem hochagilen Wesen. Man scheint mit dem Heck verwachsen zu sein und kontrolliert es spielend. Wer mit ihm fliegen kann, wird es gierig tun. Und wer, wie ich, einfach nur mit Herzenslust nach unten stürmt, potenziert mit ihm das Glück.

Es hat einen Namen: Scott Spark 900 tuned AXS. Dasselbe Geschöpf findet man in der Mythologie. Indigene Völker aus Nordamerika verehren den Donnervogel. Sie haben ihn auf Totempfählen verewigt. Er hat die Macht, im Flug Stürme auszulösen. Jetzt fliegt er auf Pisten, die Himmel und Erde verbinden. Dem Donnervogel sagen Indianer eine Verbindung zum grossen Geheimnis nach. Es liegt bei den Ingenieuren von Scott und schlägt Funken.
 

Scott Spark 900 Tuned AXS
Rahmen Carbon
Gewicht 10.9kg ohne Pedale
Reifen Schwalbe Wicked Will 29x2.4“
Schaltung SRAM X01 AXS Eagle, 1x12
Bremsen Shimano XTR 4-Kolben Scheibenbremsen
Preis CHF 10‘499.00
   

Biketester: Lorenz Schmid ist Partner bei in flagranti communication und fährt leidenschaftlich gerne Velos

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